Publikation “Kontinuierliche Qualitätsentwicklung eines Methodenkurses”

August 31st, 2010

Zum (vhb-) Kurs “Einführung in die qualitative Sozialforschung” hatte ich Gabi und Alex (der bereits hier berichtet hat) Anfang diesen Jahres beim Schreiben eines Buchbeitrags mit dem Titel “Kontinuierliche Qualitätsentwicklung eines Methodenkurses. Von der Präsenz zur E-Lehre” unterstützt. Das Buch “Evaluation von eLernprozessen” ist jetzt im Oldenbourg Wissenschaftsverlag erschienen und im Handel erhältlich.

Hier noch die vollständige Referenz:

Reinmann, G., Florian, A. & Sippel, S. (2010). Kontinuierliche Qualitätsentwicklung eines Methodenkurses. Von der Präsenz zur E-Lehre. In H. Mayer & W. Kriz (Hrsg.), Evaluation von eLernprozessen: Theorie und Praxis (S. 171-182). München: Oldenbourg.

Der Methodenkurs “verfolgt” mich jetzt schon eine Weile und dennoch gibt es immer wieder Anlässe, ihn unter einer neuen Perspektive zu beleuchten und in die aktuelle Arbeit zu integrieren. Sei es beim oben genannten Buchbeitrag zum Thema Evaluation; wie vor Kurzem auf dem Berliner Methodentreffen (ich hatte hier berichtet) oder als (Evaluations-) Beispiel sowie Informationsquelle im Seminar “Evaluation medialer Wissens- und Lernumgebungen” im kommenden Trimester. Wahrscheinlich werde ich mich also auch in Zukunft noch öfter auf diesen Kurs beziehen… :)

Zurück aus Ljubljana: Bericht von der ECPR Summer School in Methods & Techniques

August 18th, 2010

KaumDragon hatte ich meinen Blog gestartet, herrschte hier auch schon wieder Funkstille. Warum? Ich war unterwegs: auf der ECPR (European Consortium for Political Research) Summer School in Methods and Techniques in Ljubljana. Am 1. August hab ich mich mit Hannah Dürnberger auf den Weg dorthin gemacht, um zwei Wochen lang intensiv an Fragen der Gestaltung von Untersuchungsdesigns zu arbeiten. Wir haben beide den Kurs “Mixed Methods Designs” belegt, da wir in unseren Promotionsvorhaben tendenziell eher multi-methodisch arbeiten wollen. Insgesamt wurden 21 verschiedene Kurse angeboten, wobei der überwiegende Teil sehr quantitativ geprägt war (für eine Übersicht siehe hier).

Wie der Name “Mixed Methods Designs” schon ankündigte, erwarteten uns in dem Kurs sowohl qualitative als auch quantitative Inhalte und “Blickwinkel”. Meine Sorge, dass für die Arbeit im Kurs ausschließlich der Kontext Politik (da ECPR) herangezogen werden könnte, hatte sich zu meinem Glück nicht erfüllt (einige Teilnehmer waren genau anderer Ansicht; ja… das waren dann die Politikwissenschaftler). Die Dozentin Katrin Niglas (Professorin an der Universität Tallinn) hat einen bildungs- und informationswissenschaftlichen Hintergrund, somit waren viele Beispiele aus diesen Fachbereichen (z.B. bei den Daily Readings) vertreten.

Interessant fand ich insbesondere die Überlegungen dazu, wie man sich denn selber “paradigmatisch verortet”, wenn man einen Mixed Methods Approach für seine Untersuchung wählt. Schließlich gehen mit unterschiedlichen Forschungsmethoden wie Survey oder Tiefeninterviews auch verschiedene erkenntnistheoretische Weltanschauungen einher. Dass die Welt(anschauung) nicht in schwarz und weiß einzuordnen ist, sondern durchaus mehrere Perspektiven auf einen Interessengegenstand relevant oder sogar von Nöten sein können, das würde ich unterstreichen. In der Summer School hat sich hier der Pragmatismus als mögliche Argumentationsstütze angeboten (hier ein kurzer Beitrag von Katrin Niglas). In diese Richtung werde ich auf alle Fälle weiter denken.

Ansonsten war der zweiwöchige Kurs geprägt von viel Literaturarbeit, Inputs der Dozentin und einigen Diskussionsrunden. Sehr hilfreich fand ich das Raster, das wir an alle Studien angelegt haben, um deren Untersuchungsdesigns zu vergleichen:

  • Paradigm / Theoretical Framework
  • Research Problem
  • Strategy (das sind so Label wie “Fallstudie” oder “Design Based Research”)
  • Sampling
  • Data Collection
  • Data Analysis
  • Interpretation & Conclusion

Das Raster hat dabei geholfen, alle Schritte einer Untersuchungsplanung seperat voneinander zu analysieren. In der Tat ist es häufig so, dass die Autoren einer Studie dieser ein bestimmtes “Label” geben (z.B. im simpelsten Fall qualitativ oder quantitativ), sich dieses dann aber nicht in allen Teilbereichen einer Studie niederschlägt.

Etwas mehr Zeit bzw. eine stärkere Integration in die didaktische Gstaltung hätte ich mir für die Arbeit am eigenen Forschungsprojekt gewünscht. Da unsere Gruppe mit über 20 Teilnehmern jedoch zu einer der größten bei dieser Summer School zählte, war dies organisatorisch nur schwer möglich. Nach einigem Ringen mit mir selbst (primär da Vortragssprache = Englisch) habe ich mich dann aber doch entschieden, mein Untersuchungsdesign zum Abschluss des Kurses vorzustellen. So habe ich mich dann trotz des vollen “Sozialprogramms” (Stadtführung, Gartenfest, Empfang an der Uni, Postersession etc.) noch dazu gezwungen, neben dem regulären Kurs noch am Untersuchungsdesign für die Dissertation zu arbeiten.

Mein Fazit zu diesen zwei Wochen lautet somit: Ich habe viel dazu gelernt und bin mir überdies meines bereits vorhandenen Wissens besser bewusst geworden. Entscheidend ist für mich aber der erkennbare Fortschritt im eigenen Forschungsvorhaben. Das Untersuchungsdesign ist (fast) fertig und ich habe jetzt die passenden Argumente und das entsprechende Fachvokabular zur Hand, um meine Entscheidungen zu begründen. Soviel schon mal zur Info: Es ist ein Design (Based) Research Ansatz, der auf mehreren Leveln und zu verschiedenen Zwecken qualitative und quantitative Erhebungs- und Analysemethoden integriert und kombiniert. In den nächsten Wochen werde ich mein “Research Proposal” ausformulieren. … und dann natürlich auch mehr darüber berichten!

Interessiert bin ich auch an euren Meinungen und Erfahrungen zum Thema Mixed Methods: Habt ihr selber schon mehrere Methoden in einem Forschungsvorhaben verwendet? Findet ihr, dass zur Gestaltung solcher Untersuchungsdesigns ein spezifisches Vokabular und eine besondere Herangehensweise notwendig ist? (Im Kurs wies die Dozentin z.B. immer darauf hin, dass Kreativität wichtig ist, aber es muss “informed creativity” sein, sonst resultiert “Mickey Mouse Research”.) Sollte man überhaupt Methoden (unterschiedlicher Paradigmen) kombinieren? Oder ist das selbstverständlich und “Mixed Methods” nur ein Modewort dafür? Ich bin gespannt auf eure Posts!

Berliner Methodentreffen 2010

Juli 22nd, 2010

Silberlaube der FU BerlinAn der Freien Universität Berlin fand am vergangenen Freitag und Samstag (16./17. Juli 2010) das 6. Berliner Methodentreffen statt. Gemeinsam mit meinem Kollegen Alexander Florian war ich dorthin eingeladen, um…

…zum einen unseren 2009 an der Universität Augsburg entwickelten (und über die vhb zugänglichen) E-Learning-Kurs zur Einführung in die qualitative Sozialforschung auf der Fachmesse vorzustellen.

… zum anderen am Symposium zum Thema “Lehr-/Lernbarkeit qualitativer Forschung” teilzunehmen. Außer mir waren noch Uwe Flick, Christoph Maeder, Arne Weidemann sowie die beiden Moderatoren Günther Mey und Katja Mruck dabei.

Das Symposium fand am Samstag Morgen um halb 10 statt und trotz der frühen Stunde und der erschwerten “Anreisebedingungen” (Gewitterfront über Berlin) war es recht gut besucht. Ich hatte zwei Statements für die Diskussion vorbereitet, wobei ich aufgrund der fortschreitenden Zeit nur das erste Statement ausführlich dargelegt habe – undzwar zur Frage, welche Lehre in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen möglich ist. Hier habe ich auf die Chancen und Grenzen der Integration virtueller Lehre (am Beispiel des oben schon erwähnten vhb-Kurses) hingewiesen. Zumindest ansatzweise konnte ich noch darauf eingehen, dass die meiner Ansicht nach größte Herausforderung in der qualitativen Methodenausbildung darin liegt, dass die rein der Methodenausbildung zugesprochene Zeit in Form von ECTS häufig sehr gering ist und dass aus diesem Grund weitere Anlässe  zum “Forschen lernen” (eben im Sinne eines forschenden Lernens) in Nicht-Methoden-Module integriert werden müssen. Hierbei ist es natürlich wichtig, dass diese Anlässe seitens der Lernenden miteinander verknüpft werden. Inwiefern sich dazu E-Portfolios eignen könnten, hat Gabi Reinmann in einem Artikel anlässlich der Campus Innovation 2009 diskutiert, zu dem ich auch einen kleinen Beitrag geleistet habe.

Betont habe ich bei all meinen Ausführungen über die Integration digitaler Medien in die Methodenausbildung, dass diese natürlich nur ein Werkzeug sind,

  • um bestimmten Rahmenbedingungen gerecht zu werden (z.B. bayernweit einen Einführungskurs in qualitative Forschung anzubieten und damit auch bestimmte Leerstellen an einzelnen Universitäten zu füllen),
  • um bestimmte Lernprozesse zu unterstützen (z.B. im Falle der E-Portfolios als Mittel der Reflexion),
  • und um bestimmte Arten von Lehrzielen zu erreichen (dass man qualitatives Forschen am besten durch qualitatives Forschen lernt und dass die Bedingungen im E-Learning dafür nicht ideal sind, sollte klar sein).

Einige Mit-Diskutanten sowie viele Personen aus dem Plenum konnten meine Ansichten dazu teilen. Katja Mruck hat überdies einen weiteren interessanten Vorschlag zur Nutzung digitaler Medien gemacht: Sie schlägt vor, ein gemeinsames Wiki zu gestalten, um die Aktivitäten der weit verstreuten Community besser bündeln zu können. Hier bietet sich ebenfalls eine gute Plattform, um Erfahrungen zu bestimmten Methoden zu teilen, über den Aufbau und Ablauf der Methoden zu diskutieren und vielleicht auch gemeinsam über eine Fachdidaktik zur Methodenausbildung nachzudenken. Letzteres war ein sehr spannender Vorschlag aus dem Plenum.

Unser Stand auf der Fachmesse war nach dem Symposium sehr gut besucht. Wir hatten viele interessante Gespräche mit Lehrenden und Lernenden und waren ganz überrascht, wie oft Personen mit der Frage “Wie kann ich mich anmelden?” auf uns zu kamen. Alles in allem lief unser aktiver Part am Methodentreffen also sehr gut und wir wurden noch einmal in unserer Annahme bestätigt, dass ein grundsätzlicher Bedarf für ein Lehrangebot wie das von uns konzipierte besteht (auch, wenn die Anmeldezahlen für den vhb-Kurs mit 20-30 Personen bayernweit nicht so hoch wie erwartet ausfallen).

Zusätzlich zur Fachmesse und dem Symposium habe ich noch (als Teilnehmer) eine Forschungswerkstatt zur qualitativen Inhaltsanalyse und einen Workshop zur Triangulation besucht. Beide Veranstaltungen waren interessant und boten insbesondere durch die besprochenen Praxisbeispiele Chancen zum Wissenszuwachs.

Ich schaue also positiv auf das Berliner Methodentreffen 2010 zurück. Vielleicht bin ich auch im nächsten Jahr wieder dabei :)

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