Das Schweigen des Schafs

November 18th, 2010

Schaf Am vergangenen Freitag, 12.11.2010, war es soweit: In unserem Writers’ Workshop, den wir in diesem Zyklus zu jedem zweiten Termin unseres Doktorandenkolloquiums abhalten, war ich das Schaf. Das ist nichts Schlimmes – im Gegenteil. Doch um zu erklären, was es damit auf sich hat, muss ich etwas weiter ausholen. Aber nicht zu weit, denn Genaueres kann man bereits im Blog zum Kolloquium und z.B. bei Tara und Tami nachlesen.

Mit der Idee, einen Writers’ Workshop im Doktorandenkolloquium zu veranstalten, trat Reinhard Bauer letzten Sommer an Gabi heran. Die Grundidee ist, dass sich durch an die Arbeitsweise der Pattern Community angelehnte Workshops mit Peer Review Funktion die (wissenschaftliche) Schreibkomptenz verbessern lässt. Zu diesen Überlegungen ist eine Forschungsnotiz entstanden und in Anlehnung an diese möchte ich kurz die einzelnen Arbeitsphasen und mein “Erleben” dieser beschreiben.

Phase I: Das Schaf folgt seinem Hirten

In der ersten Phase des Writers’ Workshops geht es um die Vorbereitung des Textes, der bei der Präsenzveranstaltung durch die Peers diskutiert werden soll. Da ich in meinem Promotionsvorhaben noch relativ am Anfang stehe, erhielt ich die Aufgabe, eine Forschungsnotiz über die Grundidee meiner Diss zu schreiben. Bei den Doktoranden, deren Arbeit schon weiter fortgeschritten ist, wird hingegen am konkreten Diss-Text gearbeitet. Gemeinsam mit meinem Hirten (ich konnte Christian Kohls dafür gewinnen) galt es, den Text so gut wie möglich auszuarbeiten und sowohl formale als auch inhaltliche Schwächen zu verbessern. Da Christian ein Experte im Bereich der didaktischen Pattern ist, konnte ich speziell inhaltlich ganz viel aus dieser Phase mitnehmen. Einen herzlichen Dank nochmal für das umfangreiche Shepherding!

Phase II: Die Herde diskutiert, nur ein Schaf schweigt

Zentrales Merkmal der Präsenzveranstaltung (also des eigentlichen Writers’ Workshops) ist es, dass ich als Schaf nach einer kurzen Einführung, in der ich aus meinem Text vorlese, der Herde den Rücken zukehren muss. Daraufhin wurde – einem festen Schema folgend und durch einen zuvor bestimmten Moderator begleitet – mein Text diskutiert. Es war auf alle Fälle eine interessante Erfahrung, so viele Leute 45 Minuten lang über den eigenen Text sprechen zu hören. Aber es fiel mir auch schwer, das Gehörte nicht zu kommentieren, was man mir sicherlich angemerkt hat. Einige Male ertappte ich mich beim wilden Nicken oder Kopfschütteln. Ich konnte einige Verbesserungsvorschläge notieren; erfreulicherweise blieb der Grundtenor jedoch ziemlich positiv. Ich muss also nicht noch einmal bei Null anfangen :D

Phase III: Verbesserungspotential abgrasen

In der Nachphase des Writers’ Workshops (also jetzt) integriere ich noch einige der Verbesserungshinweise, die ich mir während der Präsenzveranstaltung notiert habe. Es waren viele Hinweise dabei, die für mich gut nachvollziehbar waren und die ich gerne aufgreife. Jedoch denke ich, dass es wichtig ist, seinen eigenen Stil zu bewahren, weswegen manche Formulierung so bleibt wie sie ist. Meinem Dank an die gesamte Herde und meinen Hirten tut dies natürlich keinen Abbruch! Ich sage also vielen Dank für die zahlreichen Anregungen und die angenehme Atmosphäre.

Die Forschungsnotiz geht dann auch in Kürze in unserer Rubrik Forschungsnotizen online. Wenn es soweit ist, melde ich mich nochmal mit einem kurzen Post.

Zu Gast bei N2E2

November 17th, 2010

Am 3. November war ich zu Gast beim N2E2-Projekttreffen in Hannover. Das liegt zwar schon ein wenig zurück, aber dennoch möchte ich darüber berichten, da das Treffen a) in Bezug zu meiner Diss steht und ich es b) auch sehr interessant und fruchtbar fand. Aber alles nacheinander…

Was ist N2E2 und warum war ich beim Projekttreffen dabei?

Bei N2E2 handelt es sich um das Niedersächsische Netzwerk für E-Assessment und E-Prüfungen womit mein Interesse, in dieses Netzwerk bzw. das dahinter stehende Projekt hineinzuschnuppern, sofort klar sein dürfte: Schließlich dreht sich mein Promotionsprojekt auch um mediengestütztes (und damit E-) Assessment. Eingeladen zu dem Treffen wurde ich von Marc Krüger, den ich im Zusammenhang mit seiner Promotion bei Gabi kennengelernt habe und der Projekkoordinator bei N2E2 ist. Hier berichtet er selber über das Projekt. Eingeladen wurde ich, da eines der Arbeitspakete von N2E2 darin besteht, Best Practices der Konsortialpartner im Bereich E-Assessment und E-Prüfungen für das gesamte Netzwerk (und hoffentlich auch darüber hinaus) zu dokumentieren. Da dafür der Pattern Ansatz herangezogen werden soll (wie ja auch in meinem Promotionsprojekt) lag es nahe, sich dahingehend ein wenig auszutauschen.

Mit didaktischen Pattern Lösungen für ein Problem in einem spezifischen Kontext dokumentieren

In dem Projekttreffen ging es zwar um alle anstehenden Arbeitspakete, dennoch blieb genug Zeit, um sich ausführlich über die Chancen und Grenzen der Dokumentation von Best Practices mittels didaktischer Pattern auzutauschen. Marc hat diese Idee zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal als Vorschlag eingebracht, so dass es vorrangig darum ging, eine Entscheidung für oder gegen dieses Dokumentationsformat zu treffen. Ich persönlich dachte, die Vorteile der Pattern lägen auf der Hand. Doch de facto hat es doch einige Beispiele und konkreter Erläuterungen gebraucht, um zu verdeutlichen, warum eine mehrseitige Dokumention im Sinne von “unsere Uni macht es so und so” nicht so hilfreich für die Übertragung des Assessments in einen neuen Kontext ist wie die kompakte Darstellung einzelner Lösungen bezogen auf ein Problem in einem konkreten Kontext. Oder anders formuliert: Nicht jede Lösung passt zu jedem Kontext gleich gut. Schließlich waren sich die Projektbeteiligten aber über den  Sinn und Nutzen einig und der Einsatz didaktischer Pattern wurde als Methode zur Dokumentation ausgewählt. Die weiteren Planungen dazu stehen noch in den Startlöchern. Angedacht wurde aber z.B., Lehrende der beteiligten Hochschulen zu einem Pattern-Workshop einzuladen, bei dem man gemeinsam die Erfahrungen in einem Wiki dokumentiert, sich dann darüber austauscht und schließlich zu konkreten Pattern gelangt. Mal schaun, ob es möglich ist, dass ich mich dabei auch einklinke. Leider ist Hannover nicht um die Ecke und die Reisebehilfen sind begrenzt. Aber den Austausch – wenn auch womöglich nur virtuell – möchte ich auf alle Fälle beibehalten.

P.S.: Durch ELAN e.V. (ebenfalls Partner im Projekt) wurde ein Wiki zum Thema E-Prüfungen aufgesetzt. Sehr spannend für meine Diss – sowohl als Quelle wie auch als Methode.

P.P.S.: Nicht zu verwechseln ist das in meinem Projekt geschilderte informelle Projekttreffen mit der offiziellen N2E2-Auftaktveranstaltung, zu der ich leider mangels Zeit und Reisemitteln nicht fahren konnte.

http://n2e2.elan-ev.de/N

Reflexionen zur GMW und ein Blended Conferencing Vorschlag

September 22nd, 2010

Zack! Schon ist sie vorbei, die GMW. Okay, eigentlich ist die – ausformuliert -  Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft schon letzte Woche Mittwoch zu Ende gegangen, doch krankheitsbedingt komme ich erst jetzt dazu, meine Reflexionen über die drei Tage (13. bis 15.09.) in Zürich “zu Papier” zu bringen. Das Auskurieren auf der Couch hatte jedoch auch seinen Vorteil: Ich konnte mir neben einer Bewertung der vergangenen Ereignisse auch gleich ein paar konzeptionelle Gedanken dazu machen, wie man – dem Tenor der Podiums- und Publikumsdiskussion entsprechend – zur Verbesserung des Tagungskonzepts beitragen könnte.

Zunächst möchte ich jedoch damit beginnen, was mir von der Veranstaltung selber in Erinnerung geblieben ist (weitere Rückblicke finden sich u.a. bei Gabi, Alex, Frank und Mandy):

  • Der erste Tag – die Pre-Conference – fand unter dem Motto “EduCamp meets GMW” in Form einer Unconference statt. Im Vergleich zu meinem ersten EduCamp vergangenen Februar in Hamburg war dieser Tag zwar konzeptionell gleich aufgebaut, hinterließ bei mir aber dennoch einen ganz anderen Eindruck. Zum einen mag das am etwas anderen Publikum gelegen haben: Meinem Empfinden nach waren weniger “typische EduCamper” und Freigeister auf dem GMW-EduCamp zu finden als in Hamburg. Zum anderen verteilten sich die 50 bis 80 Anwesenden recht großflächig im Veranstaltungsgebäude; manche Sessions mussten mangels Interesse kurzfristig abgesagt werden. Insgesamt wäre also etwas mehr Zulauf – auch für die Hauptkonferenz der GMW – wünschenswert gewesen. Meine Vermutung ist, dass Zürich mit seinen recht gesalzenen Preisen als Veranstaltungsort nicht unbedingt für die breite Masse attraktiv ist (und nicht immer übernimmt die Universität die Kosten der Reise; für EduCamper gilt dies natürlich nochmal ganz besonders). Dennoch möchte ich betonen, dass ich es für eine gute Idee halte, offene und dialogorientierte Formate in die Konferenz einzubinden – und da ist das EduCamp ein besonders passendes Beispiel für.
  • Auch auf der Hauptkonferenz wurden in Form des Learning Cafés und der Interaktiven Postersession dialogorientierte Formate als reguläre Sessions ins Konzept integriert. Ich habe beide Sessions besucht und bin grundsätzlich überzeugt davon, dass diese den “Tagungsalltag” bereichern können. Gezeigt hat sich allerdings auch, dass nicht alle Einreichungen für diese Formate geeignet sind. Ein Beitrag, der alleine auf eine Ergebnisdarstellung ausgerichtet ist, sollte vermutlich besser als klassisches Referat präsentiert werden. Welche Kriterien Beiträge erfüllen müssen, um sinnvoll in einem interaktiven Format platziert werden zu können, kann ich jetzt nicht aus dem Ärmel schütteln – das ist sicherlich eine Diskussionsaufgabe für die ganze Community. Als Mindestanforderungen würde ich allerdings definieren, dass der/die Einreichende am Dialog interessiert ist, um z.B. a) ein Untersuchungsdesign oder b) ein konkretes Tool weiterzuentwickeln oder um c) eine These oder d) die Ergebnisse einer Untersuchung kritisch zu reflektieren und zu diskutieren.
  • Neben diesen interaktiven Formaten habe ich auch die klassischen Referatsvorträge und Keynotes besucht (hier die Programmübersicht). Teilweise gaben mir diese spannende Anstöße für die eigene Arbeit, manchmal kam ich mir aber auch vor wie im falschen Film. Eine Tagung, die sich ausschließlich dieser Formate bedient, hätte wohl – außer den anregenden Gesprächen in den Pausen – nur einen geringen Mehrwert gegenüber der Lektüre des Tagungsbands für mich.

Insgesamt hat mir die Tagung aber doch gut gefallen. Vielen aufrichtigen Dank also an alle, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben! Wie am Anfang des Beitrags angekündigt, möchte ich neben einem Rückblick aber auch ein wenig in die Zukunft schauen. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion (bei der das Publikum auch gut eingebunden wurde) kamen nämlich einige Verbesserungsvorschläge zur Sprache, die zwar unterschiedliche Punkte berührten, meiner Ansicht nach aber ganz gut aufeinander beziehbar sind und in ein stimmiges Gesamtkonzept integriert werden können. Besonders hervorgehoben wurden folgende Aspekte:

  1. Die Tagung sollte noch größer in Richtung Dialog entwickelt werden. Dafür ist es z.B. notwendig, dass die Teilnehmenden den Tagungsband nicht erst zu Beginn der Tagung erhalten, sondern dass die Beiträge bereits zuvor digital verfügbar gemacht werden.
  2. Einzelne Rufe wurden laut nach einer stärkeren Integration der Nachwuchsförderung, wobei nicht abschließend geklärt werden konnte, wer genau zur Gruppe “Nachwuchs” zählt und durch welche Angebote dieser gefördert werden kann. Das Doktorierenden-Forum (umgesetzt als eine der Sessions; ich hab es leider nicht besucht) wurde als Schritt in die richtige Richtung bewertet.
  3. Außerdem wurde zur Integration des EduCamps in die GMW ein positives Fazit gezogen. Als Ziel für die zukünftige Umsetzung wurde formuliert, noch mehr Öffnung gegenüber dem “normalen EduCamp-Publikum” zu erreichen und gleichzeitig auch noch mehr der “traditionellen Tagungsteilnehmer” für ein Mitwirken zu gewinnen. Als Vorschlag wurde hier bereits genannt, das EduCamp eher an Tag zwei oder sogar an zwei halben Tagen zu integrieren, damit es als stärker zur Tagung zugehörig verstanden wird.

Tja, was wäre nun die Idee, dies alles zu integrieren? Zunächst einmal fände ich es wirklich gut, wenn die Beiträge einige Zeit vor der Tagung den Teilnehmern online zur Verfügung stehen würden. Hier ergibt sich nicht nur die Chance, sich bereits im Vorfeld mit den Texten vertraut zu machen, sondern auch bereits Diskussions- und nachfragen zu sammeln, um dann die bei der Tagung vorhandene Zeit effektiver zu nutzen. Zudem könnten die Tagungsteilnehmer an dieser Stelle bereits “Einspruch erheben”, wenn ein Beitrag Ihrer Ansicht nach nicht in eine bestimmte Form von Session (wie oben erwähnt z.B. Learning Café, Interaktive Postersession oder klassischer Vortrag) passt. Davon würden sowohl die Beitragseinreichenden als auch die Rezipienten bzw. hoffentlich aktiv Mitdiskutierenden profitieren. Ich würde dies in Analogie zum Begriff Blended Learning (lustigerweise ging’s bei Sandras Blogpost zur GMW schon in eine ähnliche Richtung: Tagungsdidaktik) als Blended Conferencing bezeichnen.

Da stellt sich nun die Frage, wer dies betreut und organisiert. Hier wäre der Aspekt der Nachwuchsförderung gut zu integrieren. Junge Nachwuchswissenschaftler könnten die Aufgabe erhalten, die Online-Kommunikation zu betreuen, die Anmerkungen aus dieser ersten Phase in Kooperation mit den Vortragenden in die Präsenztagung “weiterzutragen” und den Verlauf und/oder die Ergebnisse für die anderen Tagungsteilnehmer (wiederum online) zu dokumentieren. Quasi als “Nebenbeiprodukt” dieser Aufgaben bietet sich den Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit inhaltsorientiert in Kontakt mit “den Etablierten” (so der Begriff auf der Podiumsdiskussion) zu treten und so ein Stück weiter in die Community hineinzuwachsen.

Aus der Kombination der beiden Elemente Blended Conferencing und Nachwuchsförderung könnte sich außerdem ein Mehrwert für ein in die Konferenz integriertes EduCamp ergeben. Meine Annahme ist, dass sich aus einer stärker dialogorientierten Konferenz eher der Bedarf nach weiterführenden Gesprächen ergibt, die durchaus in Form von EduCamp Sessions stattfinden könnten. Deswegen wäre mein Vorschlag, das EduCamp an Tag 3 der Konferenz anzusetzen – allerdings nicht als “After-Conference”, sondern vollwertig integriert in die Konferenz. Die abschließende Podiumsdiskussion sollte dann auch erst am Ende von Tag 3 stattfinden. Gegenüber einer Platzierung des EduCamps an Tag 2 oder über mehrere Tage verteilt ergibt sich der Vorteil, dass dieser Teil der Veranstaltung ohne allzu große organisatorische Schwierigkeiten kostenfrei (oder kostenarm) zugänglich gemacht werden kann. Wichtig fände ich es, dass ein ausgewogenes Verhältnis herrscht zwischen Session-Angeboten, die von “reinen EduCampern” gemacht werden und solchen, die sich im Laufe der Tagung ergeben. Noch besser wäre es, Sessions unter Beteiligung beider “Parteien” zu organisieren, sofern die Themen verwandt sind.

Meine Überlegungen habe ich mal versucht in einer pastelligen Grafik zu visualisieren (bitte draufklicken für eine größere Ansicht):

Tagungskonzept

Über eure Kommentare und Vorschläge dazu freue ich mich!

P.S.: Ach ja, übrigens ist der Tagungsband mittlerweile auch schon online verfügbar. Darin ist auch der Beitrag zu finden, den ich mit Gabi und Christian Spannagel für das Learning Café eingereicht hatte:

Reinmann, G., Sippel, S. & Spannagel, C. (2010). Peer Review für Forschen und Lernen. Funktionen, Formen, Entwicklungschancen und die Rolle der digitalen Medien. In S. Mandel, M. Rutishauser & E. Seiler Schiedt (Hrsg.), Digitale Medien für Lehre und Forschung (S. 218-229). Münster: Waxmann.

Subscribe to RSS feed